" F o l l o w   M e ! "

Alfred nigel Bruckner - "Tourist Guide" / Writer

Follow Me - 3 einzigartige Kapellen in Negros

In Western Visayas, das - von der Insel Boracay vor der Nordwestecke Panay's abgesehen - vom Tourismus alles andere als "überlaufen" ist, sind viele sehr interessante und in Reiseführern (leider) nur selten erwähnte Ziele für lohnende Ausfluege.

 

Zu einem solchen lade ich Sie recht herzlich ein .....

 

MABUHAY - HERZLICH WILLKOMMEN !

 

Vergessen Sie die Hektik des Alltags zu Hause, wir lassen's langsam angehen, weil wir genug Zeit für einen Tagesausflug haben, der ja schließlich nicht in Stress ausarten soll.

Zunächst aber werden wir noch ausgiebig Frühstücken.

Meine Landsleute sind zwar Kaffeetrinker, der in manchen Gegenden angebaut wird, aber sie haben das Kaffee trinken den Amerikanern abgeschaut und die verwenden gerne Instant Kaffee, der schnell zubereitet ist, aber mit einem frisch aufgebrühten nicht zu vergleichen ist.

Selbst in Nobelherbergen wird "Kaffee" nach dem Essen in Form einer Tasse heißen Wassers serviert, neben der auf dem Unterteller ein Päckchen mit Pulver liegt. Als Zeichen besonderer Aufmerksamkeit ist es sogar schon geöffnet und Sie laufen nicht Gefahr, sich bei dem Versuch, die Kante einzureißen, die Fingernägel abbrechen. Neben dem Kaffeepulver ist oft auch ein Päckchen mit Trockenmilch.

Überhaupt empfiehlt es sich, nicht nur für solche Gelegenheiten, immer ein kleines Taschenmesser bei sich zu haben, das Ihnen - vor dem Elften September - beim Security-Check der Airlines nicht abgenommen worden ist. Also, verstau'n Sie's beim Packen lieber gleich im Koffer und nicht im Handgepäck!

Wenn Sie in den Philippinen beim Besteck neben dem Teller ein Messer vermissen, ist es nicht "vergessen" worden. Wir essen in der Regel mit Gabel und Löffel, der auch die Funktion des Messers mit übernimmt, und – "landesüblich" - wir essen auch mit den Fingern, was allerdings schon etwas Übung bedarf - ähnlich, als wenn Sie das erste Mal mit Stäbchen essen.

Zum Frühstück gibt's die übliche Auswahl an Reis - plain (gedünstet) oder fried (gebraten), mit oder ohne garlic (Knoblauch); dazu verschiedenen Fisch vom Markt, der schon mit dem ersten Hahnenschrei geöffnet hat; kleine Würstchen; Eier - fried, als Spiegelei, oder scrambled, als Rührei.

Wenn Sie abgekochtem (Leitungs-)Wasser nicht "trauen", trinken Sie Mineralwasser aus der Flasche. Stets gibt's verschiedene frisch gepresste Säfte - wenn Sie wollen und gerade Saison für Mangos ist, auch "Green Mango Juice".

Manges kommen von der Nachbarinsel Guimaras, die für ihre 140,000 Bäume bekannt ist, auf denen (angeblich) die süßesten Früchte heranreifen. Probieren Sie's und entscheiden danach selbst!

Meist sind auch noch ein paar kleine Küchlein aus Reis im Haus, die den Frühstü-ckstisch nicht nur farblich bereichern und neben den Schalen mit Obst stehen. Manges sind nicht immer zu haben, aber Melonen, Papaya und ein paar andere Früchte gibt's eigentlich das ganze Jahr über, und Bananen sowieso. Äpfel und Birnen müssen von weit her importiert werden und sind deshalb sehr teuer.

Wenn Sie einmal bei einem meiner Freunde zu einem Fruehstück eingeladen sind, wundern Sie sich nicht, wenn am Tisch ein reges Kommen und Gehen herrscht.

Wir haben's nicht so mit dem gemeinsamen Frühstücken. Jeder holt sich das, was er will, dann, wann er will. Und deshalb ist gebratenes auch oft schon kalt. Nicht heute, Sie sind meine Gäste.

Schauen Sie doch bitte nicht dauernd auf die Uhr !!!

auch wenn wir uns für halb Neun als Abfahrtszeit entschieden haben und sich der Minutenzeiger der Uhr bereits der Zwölf nähert, ..... wir sind immer noch "on time" - "Pilipino Time", versteht sich. Was soll's, uns läuft doch nichts davon, oder ??

Nun, wir sind (endlich) doch noch auf den Weg gekommen. Ein freundlicher Küchenhelfer hat uns noch ein paar Lunchpakete in den Kofferraum gelegt und eine Kanne Wasser ..... man weiß ja nie!

In nördlicher Richtung fahren wir über die Lacson Street zum Stadtrand von

B A C O L O D

Es ist die Hauptstraße, benannt nach General LACSON, der 1898 die Revolutionsarmee aus TALISAY Richtung Stadt führte und die dann mit der aus dem Süden anrückenden Armee unter General ARANETA in einer "Schlacht der Worte" die Spanier unblutig "besiegte".

Wir kommen rechts an der Laguna vorbei und sehen auf der anderen Seite das herrliche Capitol, das Provinz-Verwaltungsgebäude.

 

Im Stadtteil MANDALAGAN biegen wir am großen Einkaufszentrum von Robinson nach links ab und kommen an das Gate der Santa Clara Subdivision, wo ich am Sicherheitsposten meine Driving License (Führerschein) hinterlege und dafür einen Besucherausweis erhalte, der auch Sie, meine Gäste, mit einschließt.

Wir sind am ersten Etappenziel unseres Ausfluges - an der

KAPELLE von SANTA CLARA

Sie wurde in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der "Santa Clara Home Owners Association" - zu deutsch: Haus- und Grundstücksbesitzer-Verein - gebaut.

Die Kapelle hat Grundmauern aus Stein, ist aber sonst eine Holzkonstruktion. Türen und Fenster haben kleine Teile aus Muscheln statt Glas. Auch Lüster und Dekoration sind aus Muscheln gefertigt.

Die Kapelle ist während der Messen für das Publikum - auch von außerhalb - zugänglich. Messen werden morgens um sieben gelesen und Sonntag Nachmittag. Und die Kapelle ist wegen seiner parkähnlichen Umgebung bei Hochzeitspaaren, die sich hier trauen lassen, sehr beliebt.

Jetzt werden Sie sich fragen, was macht die Kapelle so einzigartig?

Es ist ein großes Mosaik der "Barangay Sang Birhen" - eine "lokale" Darstellung der Mutter Gottes - aus 95,000 kleinen und größeren, polierten Muscheln, die zu einem einzigartigen Bild zusammengefügt wurden.

Besondere Faszination erzielt die Lichteinwirkung, weil man selbst bei bewölkten Himmel glaubt erkennen zu können, das Mosaik sei von der Sonne bestrahlt.

Die Heilige Jungfrau Maria und das Jesuskind sind der Mittelpunkt des Mosaiks. Im Hintergrund ist ein Dorf an der Kueste dargestellt.

Kreuzwegstationen, Heiligenfiguren und das Altarbild sind eine weitere Collage aus 30,000 Muscheln.

Nachdem wir noch eine Weile lang den Enten im Teich zugeschaut haben, machen wir uns wieder auf den Weg. Später werden die angebrüteten Enteneier eingesammelt, um sie zwölf- oder sechzehntägig - je nach Entwicklungszustand mit mehr oder weniger ausgebildetem Küken samt Federn - als "Balut" in den Abendstunden zu verzehren.

"Baluuuuuuuuut ...... Baluuuuuuuuuut"

ist der Ankündigungsruf des Verkäufers, der durch die Straßen zieht und laut rufend seine Eier anpreist. Sie sind eine Delikatesse und finden reißenden Absatz.

 

Es geht am Hi-way (einer Art Autobahn, auf der langsamer Verkehr in der Regel den linken Fahrstreifen für sich in Anspruch nimmt) bis TALISAY und weiter nach

S I L A Y ..... das "Paris" Negros',

so benannt, weil man mit sehr viel Mühe und Aufwendung etliche alte Bausubstanz aus der Zeit der Spanier liebevoll restauriert und in einigen Häusern als Museen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat - ein Spiegelbild der damaligen Gesellschaft.

In dieser Stadt werden wir auf dem Rückweg nochmals vorbeikommen und dann einen Halt einlegen, um eine der Orchideen-Gärtnereien zu besuchen.

Sollten Sie Interesse haben und in Ihrem Haus oder Garten Ableger dieser herrlichen Bluetenpracht pflanzen wollen, erkundigen Sie sich bitte vorher über eventuelle Einfuhrbeschränkungen Ihres Landes.

Ansonsten wird man Ihnen gerne auch Rat erteilen können, da Orchideen von hier aus in den Export gehen.

 

Das nächste Ziel ist die

CHAPEL of ST. JOSEPH - THE WORKER

in    V M C  -  Victorias Milling Company

CHAPEL OF THE "ANGRY CHRIST"

Es ist nahezu unmöglich, die Kreuzung in einer scharfen Linkskurve zu übersehen, an der wir nach rechts zur Zuckerfabrik abbiegen müssen.

Sie liegt gut eineinhalb Kilometer nach der Brücke über einen kleinen Fluss, der sich nach heftigen Regenschauern in den Bergen, deren Gipfel wir rechts im Hintergrund sehen, schon einmal aus einem Rinnsal in einen reißenden Strom verwandeln kann und dabei nicht davor zurückschreckt, auch seine weitere Umgebung unter Wasser zu setzen.

Ansonsten ist das seichte Flussufer bei Carabaos - den Wasserbüffeln - sehr beliebt, die ihn als "Beach Resort" gerne aufsuchen, wenn sie in der Mittagszeit Pause von der Arbeit beim Einholen der Zuckerrohrernte haben und sich dann wohnlich in dem kühlen Nass ihrer Siesta hingeben.

Die Verbindungsstraße zur "Central" genannten Zuckerfabrik hat dichten Verkehr und am Rand warten die mit Zuckerrohr voll beladen Trucks auf die Einfahrtsgenehmigung.

Von weitem sahen wir schon den weißen Rauch aus den Schornsteinen der Zuckerfabrik, die sich seit einiger Zeit auch auf anderen Gebieten der Produktion von Kunst- und Werkstoffen einen Namen gemacht hat. Und auch Fischzucht und Konservenherstellung ist ein weiterer Zweig in wirtschaftlicher Tätigkeit, um zur Monokultur "Zucker" zusätzliche Standbeine zu schaffen.

Auf gut beschilderten Straßen kommen wir im Werksgelände zu der im Jahre 1950 fertiggestellten kleinen, fast unscheinbar wirkenden Kapelle.

Die einzigartigen Kunstwerke in ihrem Inneren hatten in den Fünfziger und Sechziger Jahren eine üußerst kontrovers geführte Diskussion unter Christen ausgelöst.

Eisenbahn - mit 1 PS unterwegs

Wir bleiben auch auf dem Weg zu unserem dritten Ziel von Zuckerrohrfeldern umgeben, wenn wir eta fuenf Kilometer noerdlich der Stadt VICTORIAS CITY links von der Hauptstraße, die nach Norden bzw. weiter an die Ostküste führt, abbiegen.

Auf der gut zwei Kilometer langen Straße, die von Kokospalmen gesäumt wird, kommen wir zur

 

H A C I E N D A   S A NT A   R O S A L I A .

Die Hacienda war im Neunzehnten Jahrhundert von YVES GERMAINE GASTON gebaut worden. Er kam mit seiner Familie aus Frankreich, um in Negros' Zuckerindustrie Pionierarbeit in der Weiterentwicklung zu leisten.

Hinter der Hacienda, erbaut im damals modernen "Kolonialherrenstil", sind Orchideengärten mit prachtvollen Ornamenten und Blumenarrangements. Durch dieses Blütenmeer hindurch begeben wir uns zur

C A R T W H E E L - C H A P E L

Als Antwort auf die Frage, was diese 1967 von den Nachfahren der GASTON Familie erbaute Kapelle so einzigartig macht:

Interessant ist jedenfalls schon das einzigartige architektonische Design, insbesondere die Verwendung von endemischem Baumaterial.

Aus der Entfernung sieht die Kapelle aus wie ein "Salakot" mit Deckel, bis zum Kreuz in einer Hohe von 17 Metern.

Das hölzerne Dach steht auf 16 Holzpfosten und wird in der Mitte durch das Rad eines Büffelkarrens "gekrönt", zwischen dessen Speichen farbiges Glas gegeben wurde und - die Sonne wandert in unseren Breitengraden zweimal im Jahr über uns hinweg, einmal nach Norden und dann wieder zurück - zu Mittag für eine kurze Weile das Licht auf den Boden fällt.

Die Farbgestaltung der gesamten Konstruktion ist eine verrückte Mischung aus mehr oder weniger dunklen Farbtönen, die den ständigen Wechsel im Weltgeschehen, in dem wir uns immerfort befinden, darstellen.

Im Gegensatz dazu stehen die hellen und lichten Farben der Unterteilungen, die die frohe Botschaft der Erlösung ausdrücken.

Der Boden ist eine Mischung aus gewöhnlichem Zement mit Margana, einem "blauen" Sand, den es nur hier an der Küste vor der Hacienda gibt. Niemand weiß, wie dieses Naturwunder in diese Gegend kam.

Räder von Büffelkarren - und daher hat die Kapelle ihren Namen - sind Wanddekoration; das heißt, sie bilden aneinander und uebereinander gesetzt, die "Wände".

Hinter dem Altar sind drei Räder als Fenster gestaltet. Buntes Glas zwischen den Speichen bricht das Licht in eigenartiger Weise, insbesondere, wenn nachmittags die Sonne voll auf's Glas trifft.

Der Tabernakel im Altar besteht aus Messing und ist mit Glasbruch und Glassteinen verziert.

Vom Eingang her betrachtet, ist der Rundbau in zwei Hälften unterteilt, die einerseits das Alte und andererseits das Neue Testament symbolisieren. Beide Testamente sind jeweils noch in 64 Einheiten gegliedert.

Die Statuen sind aus koloriertem Stroh gefertigt und völlig schmucklos. Schöpfer war - wie in der St. Josephs Kapelle von Victorias -

B e n j a m i n - V a l e n c i a n o .

Unverkennbar hat er seine "Handschrift" hinterlassen:

Valenciano's Christus ist ein Bauer, der auf ein Büffelkarrenrad "gekreuzigt" ist und über dem Altar hängt. Die Jungfrau Maria trägt den traditionellen "Balintawak".

 

Bevor wir den Rückweg antreten, erfrischen wir uns noch an "Buko Juice", dem Wasser aus der Kokosnuss, die uns ein Junge von einer Palme holt.

Und dann können Sie sich noch - so lange Sie wollen - an der herrlichen Blütenpracht der Orchideen-Gärtnerei in SILAY erfreuen.